Gudrun Großbach: Buch und Therapie

Gudrun Großbach
Für alle, die sich selbst besser verstehen möchten · Autorin und Therapeutin in Privatpraxis
Willkommen. Vielleicht haben Sie schon oft gehört, was Sie tun sollten, und selten gefragt, was Sie eigentlich brauchen. Darum geht es hier: um Bücher und Gespräche, die verstehen wollen, ohne zu bewerten. Ob durch ein Buch, ein persönliches Gespräch in meiner Privatpraxis oder gezieltes Job-Coaching für junge Menschen, hier finden Sie Raum für Ihr eigenes Tempo.
Für alle, die keinen Zugang zu Therapie finden
Vielleicht kennen Sie das: Der Therapieplatz war nicht frei. Die Kosten waren zu hoch. Oder es fühlte sich an, als müssten Sie das eigentlich allein schaffen, aus Angst, was andere über Sie denken könnten. Das liegt nicht an Ihnen. Therapieplätze sind knapp, oft kaum finanzierbar, und Hilfe zu brauchen ist kein Zeichen von Schwäche, auch wenn Gesellschaft und eigener Anspruch das oft anders vermitteln. Doch psychologisches Wissen muss nicht an einen freien Platz gebunden sein.
Ich schreibe für Menschen, die sich selbst besser verstehen möchten: diskret, im eigenen Tempo und ohne Leistungsdruck. Meine Bücher sollen Orientierung bieten, Mut machen und Wissen vermitteln, für alle, die sich bisher nicht getraut haben zu fragen.
Was ein gutes Buch mit Ihnen macht
Vielleicht kennen Sie das Gefühl danach: der Kopf etwas klarer, der Druck etwas leiser, fast wie nach einem guten Gespräch in der Therapie. Genau das wünsche ich mir für Sie beim Lesen.
Meine Bücher schaffen Klarheit, geben Orientierung und bringen einen Perspektivwechsel hin zu einem inneren Aufatmen.
Krankheiten, die Medikamente brauchen, können sie nicht heilen, das kann kein Buch. Doch für alle, die noch keine Therapie bekommen, sind sie eine wertvolle Hilfe.
Ein Psychologiebuch kann wie Rückenschule für Seele & Geist sein: Es stärkt, entlastet und bringt genau die Klarheit, die oft fehlt.
Kleine Geschichten. Fünf Minuten für sich.
Es kommen immer wieder neue dazu.
Der Anrufbeantworter (2.Auflage)
Das rote Licht blinkt schon, bevor ich die Tür überhaupt ins Schloss gezogen habe. Drei Nachrichten. Meine Schwester wegen des Wochenendes, meine Nachbarin wegen der Pflanzen, eine Nummer, die ich nicht kenne, vermutlich wieder jemand aus dem Verein, der eine helfende Hand braucht.
Ich stelle die Tasche ab, lasse den Mantel aber an. Ich höre alle drei Nachrichten im Stehen durch, als würde das Tragen des Mantels mich davor schützen, in den Forderungen der anderen einzusinken.
Bei der dritten Nachricht merke ich, dass ich die Stimme meiner Schwester schon gar nicht mehr im Ohr habe. Nur diesen bestimmten Ton. Diesen Ton, der zwar als Frage verkleidet ist, aber schon längst mein Ja als selbstverständliches Gepäck eingeplant hat.
Ich lösche die Nachrichten nicht. Ich setze mich stattdessen auf die unterste Treppenstufe im Flur, den Mantel fest um mich geschlossen, und starre das rote, blinkende Licht an. Ich schaue es so lange an, bis ich fast unbemerkt mit dem Finger darauf drücke, nur um die Unruhe dieses Blinkens endlich zum Schweigen zu bringen.
In dieser Nacht schlafe ich schlecht. Ich wache immer wieder auf, weil mein Kopf im Dunkeln stillschweigend nach Argumenten sucht.
Am nächsten Morgen rufe ich meine Schwester an. Gleich als Erstes, vor dem ersten Kaffee, bevor mein Mut wieder die Beine in die Hand nehmen und weglaufen kann. Ich sage ihr, dass ich am Wochenende nicht kann. Es ist ein schlichtes, nacktes Nein.
Am anderen Ende der Leitung herrscht ein Moment des Zögerns. Ein kleines, tastendes Schweigen, in dem ich nur höre, wie sie atmet. Dann sagt sie: „Kein Problem, dann frage ich einfach jemand anderen.“
Das war alles. Ein einziger, unspektakulärer Satz.
Ich lege auf und spüre eine merkwürdige, fast ungemütliche Leere in meiner Brust. Ich merke, dass ich die ganze Zeit auf etwas gewartet habe, das nun ausbleibt: auf Vorwürfe, auf ein enttäuschtes Seufzen, auf irgendein vertrautes Zeichen, das mir nachträglich beweist, dass mein Nein ein Fehler war.
Aber da kommt nichts. Nur die Stille im Flur und mein eigener Atem, der sich in diesem Haus, in dem sonst immer jemand etwas von mir braucht, plötzlich ungewohnt viel Platz nimmt.
Wer sich hier wiedererkennt, findet mehr dazu in "Freie Hände: Das Geschäft, das keiner nennt".
Der Samstagvormittag (2. Auflage)
Es ist Samstagvormittag. Ich will nur die Anrichte abwischen, ziehe dafür die oberste Schublade heraus, weil sie mal wieder stur klemmt, und finde einen ganzen Stapel Glückwunschkarten. Für Geburtstage, für Beförderungen, für Babys, die inzwischen selbst schon zur Schule gehen. Jede einzeln gekauft, passend ausgesucht, nie eine doppelt, lauter kleine, sorgsam geplante Gesten der Aufmerksamkeit, die es nie an ihr Ziel geschafft haben.
Ich zähle sie durch, ohne es zu wollen. Neunzehn Karten. Für neunzehn verschiedene Menschen, über all die Jahre. Neunzehn stumme Versuche, im richtigen Moment das Richtige zu sagen.
Ganz unten, unter dem Stapel, liegt eine leere Karte, ungeöffnet in ihrer knisternden Plastikfolie, mit einer kleinen, bunten Torte darauf. Ich weiß nicht mehr, wann ich sie gekauft habe. Für wen sie gedacht war, weiß ich erst recht nicht mehr. Sie liegt einfach da wie ein vergessenes Versprechen, das seine Adresse verloren hat.
Ich halte sie eine Weile in der Hand, drehe sie um, als stünde hinten in einer unsichtbaren Handschrift etwas geschrieben, das mir nachträglich sagt, für wen mein Mitgefühl damals bestimmt war.
Dann lege ich sie zurück in die Schublade, ganz unten, unter alle anderen ungenutzten Glückwünsche, und schiebe sie zu, bis sie mit ihrer gewohnten, mürrischen Sturheit wieder klemmt.
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer, wo der Fernseher ohne Ton läuft, und setze mich auf das Sofa. Ich richte den Blick fest auf den Bildschirm, ohne den Bildern wirklich zu folgen, einfach nur, um dem Schweigen im Raum ein bisschen Gesellschaft zu leisten.
Erst später, beim Abwasch, als meine Hände tief im warmen, weichen Seifenschaum stecken, fällt mir auf, dass ich gar nicht mehr weiß, wann ich selbst zuletzt eine Karte bekommen habe. Eine, die ich nicht vorher selbst besorgt, frankiert und an jemanden verteilt hatte, damit er sie mir im Grunde nur pflichtbewusst zurückreicht. Wer sich hier wiedererkennt, findet mehr dazu in "Fast wie glücklich".
Der Wecker für die (Fast-)Rentner
Ich stelle den Wecker auf sechs, obwohl niemand mehr um diese Zeit aus dem Haus muss. Schon seit dem Sommer nicht mehr, seit die Zimmer der Kinder leer stehen und eine ungewohnte, ordentliche Stille atmen. Aber aufgefallen ist mir diese sture Gewohnheit erst jetzt.
Um sechs stehe ich auf und mache Kaffee für zwei, bevor mir einfällt, dass nur ich hier wohne. Die zweite Tasse gieße ich trotzdem ein und schütte sie gleich darauf wieder aus, in die Spüle, die diesen bittersüßen Morgengruß inzwischen schon mit einer traurigen Vertrautheit schluckt. Jeden Morgen dasselbe.
Heute habe ich die Kaffeemaschine erst gar nicht angemacht. Ich sitze nur am Tisch und schaue auf den Wecker. Ein altes, verlässliches Modell, das seit über zwanzig Jahren stur an derselben Stelle tickt und sich vielleicht gar nicht vorstellen kann, dass ein Vormittag auch ohne Eile beginnen darf.
Wenig später nehme ich ihn vorsichtig in die Hand und stelle ihn aus. Zum ersten Mal seit Jahren nicht wieder auf morgen.
Der Vormittag danach zieht sich unendlich. Ich weiß überhaupt nicht, wohin mit dieser Zeit zwischen sechs und acht, zwei Stunden, die plötzlich wie ein herrenloses Fundstück im Raum liegen und niemandem mehr gehören außer mir.
Am Nachmittag werde ich ihn wieder stellen, sage ich mir flüchtig zur Erklärung. Man will den alten Wecker ja nicht mit plötzlicher Nutzlosigkeit kränken. Aber diesmal stelle ich ihn auf sieben. Wer sich hier wiedererkennt, findet mehr dazu in "Die Stille hat ein komisches Geräusch".
Der Halbsatz (2. Auflage)
Es ist Dienstagmorgen. Die Teamsitzung ist vorbei, und wir stehen alle mit unseren Tassen im Flur, als müssten wir uns erst einmal kurz an der Wärme des Porzellans festhalten, bevor wir wieder an unsere Schreibtische zurückkehren. Mein Kollege geht an mir vorbei, gießt sich Kaffee ein und sagt beiläufig: „Das hätte man auch anders lösen können.“ Nur das. Ein flüchtiger Satz im Vorbeigehen, der so leicht hingesprochen ist, als hätte er überhaupt kein nennenswertes Gewicht.
Aber in mir drin schlägt der Satz sofort tiefe Wurzeln. Bevor die Antwort überhaupt in meinem Kopf ankommt, spüre ich sie schon im Körper: Mein Kiefer zieht sich stur zusammen, und meine Hand klammert sich so fest um die Kaffeetasse, dass das arme Porzellan vor Schreck fast den Atem anhält.
In Gedanken höre ich mich bereits eine flammende Verteidigungsrede halten mit unumstößlichen Beispielen, mit präzisen Daten und in einem Tonfall, der schärfer und spitzer ist, als dieser beiläufige Halbsatz es jemals verdient hätte.
Ich sage nichts davon. Ich nicke nur stumm, gieße mir ebenfalls Kaffee ein und gehe an meinen Platz. Aber der Satz ist nicht im Flur geblieben. Ich trage ihn den ganzen Nachmittag mit mir herum wie einen kleinen, hartnäckigen Stein im Schuh, den man nicht loswird.
Im Laufe der Stunden beantworte ich ihn im Kopf immer wieder neu, feile an immer besseren, schärferen Erwiderungen, lauter Sätze, die ich niemals laut sagen werde, die sich aber in meinem Inneren ungeduldig aneinanderreihen.
Am Abend erzähle ich die Szene meiner Schwester. Sie hört geduldig zu und fragt schlicht: „Was genau hat er denn gesagt?“ Ich wiederhole seine Worte: „Das hätte man auch anders lösen können.“ Und merkwürdigerweise klingen sie jetzt, da sie einmal laut ausgesprochen im Raum stehen, überhaupt nicht mehr scharf oder bedrohlich. Sie klingen plötzlich geschrumpft, wie eine völlig gewöhnliche, fast ein bisschen müde Bemerkung. Mehr nicht.
Ich lege auf und frage mich, wer da am Vormittag in meinem Kopf so blitzschnell und kampfbereit geantwortet hat, bevor ich überhaupt zugehört hatte. Es war, als hätte sich eine dieser besorgten, misstrauischen Stimmen aus meiner inneren Wohngemeinschaft lautstark zu Wort gemeldet, um mich vor einem Angriff zu schützen, der in Wirklichkeit gar keiner war. Wer sich hier wiedererkennt, findet mehr dazu in "Über das, was vorher läuft. Ein Essay. Warum wir handeln, bevor wir verstehen."
Das Licht gegenüber (1. Auflage)
Wenn dort drüben das Licht brennt, ziehe ich meine Vorhänge beruhigt zu und gehe ins Bett. Es ist wie eine stumme, abendliche Vereinbarung zwischen zwei Unbekannten: Drüben ist alles gut, also darf ich mich jetzt auch schlafen legen. Wenn das Licht aber dunkel bleibt, stehe ich noch eine Weile am Fenster und starre in die Schwärze hinein, ohne genau zu wissen, worauf ich eigentlich warte.
Gestern Abend brannte es nicht. Auch später nicht, als ich im Pyjama noch einmal aufstand, nur um nachzusehen, ob die Dunkelheit drüben sich endlich verzogen hat. Ich spürte eine ganz unaufgeforderte Unruhe in mir, eine leise Sorge um einen Menschen, mit dem ich noch nie ein einziges Wort gewechselt habe. Ich sagte mir stur, dass es mich nichts angeht. Trotzdem stand ich noch zehn Minuten mit kalten Füßen auf dem Dielenboden, einfach um dem leeren Fenster ein bisschen Gesellschaft zu leisten, so als könnte mein bloßes Hinsehen irgendetwas an der Stille drüben ändern.
Am nächsten Morgen bin ich auf dem Weg zur Arbeit einen Umweg gegangen, nur um an diesem Haus vorbeizukommen. Ich ging betont langsam, fast ein bisschen ertappt. Die Rollläden waren oben, alles wirkte ganz normal und unaufgeregt. Es gab kein Zeichen dafür, dass das Leben drüben irgendwie gestolpert war. Also ging ich weiter, ohne stehenzubleiben.
Und heute Abend? Bevor ich die Vorhänge zuziehe, geht mein erster Blick natürlich wieder nach drüben. Und diesmal brennt das Licht. Es leuchtet so warm und selbstverständlich durch die Nacht, dass ich fast spüren kann, wie die stumme Last der Sorge ganz leicht von meinen Schultern rutscht. Wer sich hier wiedererkennt, findet mehr dazu in „Bis morgen vielleicht“.
Du musst noch nicht wissen, wohin, nur dass du losgehst
Vielleicht sollst du dich entscheiden, obwohl du noch gar nicht weißt, wohin. Das ist kein Zeichen, dass mit dir etwas nicht stimmt, das geht vielen so. Gemeinsam finden wir Klarheit, mit persönlicher Begleitung und praxisnaher Unterstützung von der Berufswahl bis zu Ausbildung und Studium, damit du sicher in deine eigene berufliche Zukunft startest.
Vor Ort, Online und Telefon
Privatpraxis in Xanten
Bewusst nur wenige Gespräche pro Woche, in ruhiger Atmosphäre, damit jedes einzelne genug Raum bekommt. Ein geschützter Raum für Entwicklung, Reflexion und Begegnung.
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